Mini-Zine: Maximal, eine Geschichte mit „sier“

Maximal ist ein flauschiges Lebewesen, das in einer ausrangierten Hundehütte lebt. Mehr über sien erfahrt ihr in diesem Mini-Zine.

Die gängigen Pronomen im deutschen sind er, sie oder es. Aber was ist mit nichtbinären Menschen, die diese nicht nutzen möchten? Manche von ihnen benutzen „sier“ als Pronomen.

Da dieses, anders als zum beispiel „x“, dekliniert wird (unterschiedliche Formen hat), ist es für Neulinge nicht immer ganz einfach zu verwenden. Vielleicht ist es leichter, wenn es schon mal in einer Geschichte vorkam?

Dieses Mini-Zine ist eine Art Auftragsarbeit für einen geliebten Menschen. Aber es will geteilt werden und reisen! Also wenn ihr mögt, ladet es hier als *.pdf herunter, druckt es aus, kopiert, faltet und verbreitet es!

Es besteht nur aus einem Blatt, durch knicken und falten könnt ihr daraus ein kleines Büchlein machen.
Eine Youtube-Faltanleitung findet ihr hier.

gerne leben ist auch so was neues.

jedes jahr wieder hadere ich mit diesem komischen geburtstag. eigentlich nur so ein tag wie jeder andere(tm), verunsichert mich sein herannahen jedes mal aufs neue. ich habe schon viel ausprobiert: ignorieren, mit mehreren menschen feiern, mit nur einer person feiern, alleine in meinem zimmer sitzen, irgendwo hin fahren. es war vorher nie zu erraten, welche situationen gut gehen und welche sich schrecklich anfühlen. die besten davon haben mich manchmal wütend, traurig oder verzweifelt vorgefunden. ratlos wie ich mit dieser dissonanz umgehen kann ohne andere menschen oder mich zu verletzen. und oft auch unzufrieden mit mir, weil ich auf diesen tag nicht so reagieren kann, wie ich es gerne hätte.

ich dachte immer, es hat viel mit erwartungen zu tun, die an diesen tag gehängt werden. das sicher auch. erst neulich fiel mir auf, dass es ja noch gar nicht so lange her ist, dass ich gerne existiere. und dass das an einem tag, an dem meine existenz gefeiert wird, eine gewisse dissonanz erklären könnte. man™ lebt ja schließlich gern. angesichts der tatsache, dass das für mich lange einfach nicht gestimmt hat, ist es nicht verwunderlich, dass dieser feiertag nicht immer einer war. sondern oft eher eine von diesen pralinen mit ziemlich ekliger füllung.

grade geht es mir ziemlich gut. ich denke trotzdem viel über den tod nach. den, den ich mir gewünscht habe. oder nicht gewünscht, eher als besseres übel gedacht. über die vielen tode im kleinen. über das einmal wieder drauf ankommen lassen: egal ob und wie ich feier, es wird halt so ein tag, an dem ziemlich viel kondensiert ohne dass ich das unbedingt möchte. und trotzdem auch ein tag wie jeder andere, ein abenteuerlicher mix aus mehr oder weniger intensiven momenten ohne tieferen sinn, der irgendwann vorbei ist.

for myself i live with pride.
ich existiere gerne, jetzt. yay. und immer noch.

zeitschnipsel

mein herz ist wild und zögerlich
ich fühl mich wie eine potenziell undichte tasche voll mit eingeweiden
tired & full of love

mein herz läuft mir aus den augen vor glück oder trauer
ich weiß es nicht, rase in zeitlupe durch momente und eindrücke
ugly & full of pride

boden wiederfinden auf der alten umgekippten weide über‘m wasserfall
all die frequenzen der nahen und fernen verwirbelungen existieren lassen
mit breq sitzen und schweigen

m_eine stimme finden

meine stimme hat sich verändert, und das ist schön. sie fühlt sich mehr wie meine stimme an. wenn ich mich selber reden höre, ist das angenehm.
aber was ungewohnt ist: lieder, die ich früher gut singen konnte, gehen jetzt gar nicht mehr. so hoch komme ich nicht.
und eine oktave tiefer komme ich auch (noch) nicht.
grad so wohlfühl-lieder, bei denen meine stimme wie wasser durch die töne floss. bye bye!
dafür kann ich nun andere lieder singen. nur sie sind noch ungewohnt.

meine stimme weiß schon im prinzip, was sie zu tun hat.
aber durch alte gewohnheiten mache ich es mir manchmal schwer.

manchmal fühle ich mich ähnlich, wenn ich mich anderen menschen gegenüber artikulieren will.
mein in-der-welt-sein hat sich verändert. viel neues will ausprobiert werden, und vieles will neu ausprobiert werden.
durch die stadt schlendern. meinen platz in einer situation finden.
aber was fühlt sich gut und passend an? ich weiß es nicht, bis ich’s mache. und für manches habe ich noch keine worte.

Trans* Day Of Visibility

Heute ist Trans* Day Of Visibility. Shout Out an alle sichtbaren und unsichtbaren trans* Menschen in meinem Leben und in diesem Internet!

Mit dem eigenen Er_leben sichtbar sein ist oft nicht leicht, sogar wenn man größtenteils geoutet ist. Trotzdem leben wir in einer cissexistischen Gesellschaft, in der die Lebensrealtiäten von trans* Menschen nur am Rande vorkommen. In der die nichtbinärer Geschlechter meistens gar nicht vorkommen. Es ist dadurch manchmal schwierig, anzuknüpfen und sogar über alltägliches zu reden. Teile meines Alltags gehören nicht zum geteilten Alltag. Früher empfand ich es wie eine Glasscheibe, die zwischen mir und anderen Menschen ist. Inzwischen ist es oft nur noch eine Membran, die an vielen Stellen durchlässig geworden ist. Gestern erst redete ich mit einer lieben Freundin darüber, dass es mich manchmal schmerzt, dass diese Membran da ist. Und dass es sich manchmal anfühlt wie eine Grenzüberschreitung, diese Membran zu durchbrechen.

Manchmal fühlt es sich nicht verbindent an, über trans* sein zu reden. Manchmal knalle ich meinem Gegenüber ein Stück meines Er_lebens auf den Tisch, weil ich so wütend und frustriert darüber bin, nicht vorzukommen und nicht gesehen zu werden. Nicht die kleinen Unterstützungen bei den Herausforderungen meines Lebens zu erhalten, die andere erhalten und die ich auch gerne gebe. Letzten Sommer zum Beispiel darüber, dass es ein normales Thema ist, Stress durch eine abzugebende Hausarbeit oder einen Uni-Abschluss zu haben, aber nicht, zu einem fremden Experten fahren zu müssen, um das eigene Geschlecht bestätigt zu bekommen. Immer wieder zu einem Psychologen zu fahren, weil mir nicht zugetraut wird, selbst über meinen Körper zu entscheiden. Manchmal blicke ich danach in blanke Gesichter, denen nicht anzusehen ist, ob etwas von dem, was ich sagte, die Membran durchdrungen hat. Es ist ungemütlich, selbst manchmal mit Menschen, die ich mag und die mir vertraut sind.

Ich möchte nicht grenzüberschreitend agieren, ich möchte gerne Verbindungen schaffen und in einem Dialog sein, der durchlässig ist. Und andererseits ist meine reine Existenz eine Grenzüberschreitung, eine Zumutung in einer cissexistischen binären Gesellschaft, in der alle cis Mann oder cis Frau zu sein haben. Ein Dilemma, aus dem ich so schnell nicht herauskommen werde, vor allem weil mein Umfeld größtenteils aus cis Menschen besteht. Aber: Challenge Accepted!

Dank an alle, die sich mit mir darauf einlassen.
Und Dank an alle, die Comics zeichnen, Geschichten und Blogtexte schreiben, Zeitschriften herausgeben, politische Arbeit und Musik machen in denen nichtbinäre trans* Menschen sichtbar sind.

Happy Trans* Day Of Visibility, everyone!