Was ich kann.

Grade geht es mir nicht so gut. Zum einen hat mich die Vorweihnachtszeit mit ihrem Abfeiern institutionalisierter Beziehungen (Herkunfts- und Kleinfamilie) voll erwischt.
Zum anderen beschäftigen mich immer noch mein Outing und damit einhergehende Positionierungsverschiebungen. Und obwohl es mir in Bezug auf einige Lebensbereiche viel gegeben hat, finde ich andere Auseinandersetzungen ganz schön heftig.
Außerdem, es ist kalt und dunkel. Meh.
Es ist alles nicht so einfach. Manchmal bewege ich mich durch den Tag wie durch eine zähe Masse Schmerz.
Und selbst das was mich sonst meistens lächeln oder wohlfühlen lässt, erreicht mich grade nicht so.

Umso wichtiger aber, mir selbst Anerkennung dafür zu geben, was ich kann und was nicht selbstverständlich ist dabei.

Ich kann die Einsamkeitsschmerzen die in mir sind ertragen, ohne dass ich darüber hoffnungslos oder komplett weltflüchtig werde.
Ich kann gleichzeitig sehen dass es mein persönlicher Schmerz ist wie dass er gesellschaftlichen Gewalt- und Machtbeziehungen entwachsen ist.
Ich kann mich mit mir wichtigen Menschen auseinander setzen, ohne die Beziehung im Ganzen in Frage stellen.
Ich kann die Beziehungen die ich in meinem Leben habe sein lassen, obwohl sie grade manchmal für mich nicht spürbar und glaubhaft sind.
Ich kann wichtige Aufgaben erledigen, auch wenn meine Konzentrationsfähigkeit und meine Kraft grade eher knapp sind. Ich kann mich zuweilen fokussieren.
Ich kann mir meinen Schmerz und die damit einhergende eingeschränkte Repräsentabilität und Leistungsfähigkeit (meistens) verzeihen.
Ich kann die notwendige Auseinandersetzung und Konfrontation mit meinem Körper weiterführen.
Ich kann mich einigermaßen um mein Essen kümmern.
Ich kann hinreichend regelmäßig einfach alles scheißegal sein lassen und kekseessend auf dem Lieblingssessel mit Serien versumpfen.
Ich kann Wegfahrpläne schmieden. Ich kann mich auch dabei auf andere Menschen beziehen.
Ich kann denken, dass dies eine endliche Phase ist.
Ich kann fühlen, dass ich seit letztem Jahr um die Zeit ein Stück gewachsen bin.
Ich kann das innerlich ein bisschen feiern sogar.

Es gibt einiges was ich noch besser können mag. Oh ja!
Echt einiges. Aber das macht mich grade eher neugierig als unzufrieden.
Ich kann weiterwachsen. Yeah!


1 Antwort auf „Was ich kann.“


  1. 1 Frl. Urban 03. Januar 2015 um 1:49 Uhr

    Hey,
    Ich find den Artikel voll gut, also, dass du dir selbst so einen Artikel schreibst. Als es mir nicht gut ging habe ich manchmal sowas gemacht: Eine Liste mit Gerichten schreiben von denen ich weiß, dass ich sie auch in der Zeit kochen kann. Oder eine to-do-Liste von der ich wusste, dass sie umsetzbar ist. Das konnte zB so ausehen: – aufstehen – frühstcken – halbe Stunde spazieren gehen. Kür: – in die Bi gehen.

    Gruß,
    Frl. Urban

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