Archiv für Februar 2015

Abfinden. Scheitern.

Ich bin so furchtbar schlecht darin manchmal mich mit etwas abzufinden. Es nimmt mir die Worte, und trotzdem kämpfe ich um Sätze. Als würde das irgendetwas ändern an dem was ich vorfinde, was mir entgegenschlägt. Ich will an der Heizung sitzen und den Kopf in ein Buch stecken, weil ich für dieses Abfinden Zeit brauche. Aber jetzt sitze ich im Büro. Jetzt sitze ich im Fitness-Center und drücke ein Gewicht nach vorne. Jetzt laufe ich durch die Stadt, um pünktlich zu einem Termin zu kommen. Jetzt schreibe ich einen Text. Ich gebe mir manchmal selber die Zeit nicht und ich glaube, das ist auch gut so. Denn wenn ich in Bewegung bleibe, dann merke ich, dass die Zeit weiterläuft.

Morgen wird es besser. Übermorgen. In einem Monat. In einem Jahr. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon gedacht habe.

Ich weiß nicht, wie ich mich abfinden kann, ohne mir selbst die Schuld daran zu geben, dass es nicht gut ist. Ich habe es versucht, besser zu werden, meinen Körper zu akzeptieren, es hat einfach nicht funktioniert. Es funktioniert jetzt schon wieder nicht. Ich liege im Bett und warte darauf dass ich akzeptiere, dass ich einschlafe, dass sich wohlige Umnachtung einstellt.

Also will ich akzeptieren, dass es nicht funktioniert. Was grade echt verdammt schwer ist. Ich mache drei mal die Woche Sport, das macht den Körper sehr präsent. Das ist auch nochmal was anderes, als einmal die Woche schwimmen, dann ’ne Nacht nicht schlafen können und danach wieder Alltag. Der Alltag zieht nicht mehr ein, ich muss einen neuen bauen, aber das ist schwer. Das nicht-abfinden-können durchzieht die Stunden. Es kann nicht ganz werden, es kann nur auseinander genommen und neu zusammengesetzt werden. Und Scheitern ist ein Teil davon.

Jetzt laufe ich die Wiese entlang und wünschte, ich hätte Musik in den Ohren. Stattdessen höre ich nur meinen Atem, meine Schritte und meine Gedanken. Ehrlich gesagt ist das schon genug, um mich manchmal stolpern zu lassen. Trotzdem bin ich manchmal glücklich. Über das Laufen, über den Moment, über den Wind, über das Glitzern auf dem toten Flussarm und das Rascheln im Schilf. Über die Füße auf dem Boden und den Reiher, der unbewegt auf der Wiese steht. Über das Lächeln und den Gruß einer in Gegenrichtung an mir vorbeijoggenden Person. Das anstrengende sind die vielen Stunden dazwischen, in den ich eigentlich etwas anderes machen möchte, als Körper zu sein. In denen ich spüre wie langsam dieser Prozess des Abfindens mit dem Scheitern verläuft. Es ist in meinem Kopf, also muss ich es doch ändern können. Ich muss es doch gut machen können.

Kann ich aber nicht. Ich kann es besser machen, aber nicht so. Nicht so wie es vorgesehen ist.
Es geht für mich eher um Aneignung als um Positivity. Um auseinander nehmen und wieder zusammen setzen. Ich darf das, weil es mein Körper ist und weil ich mich darin so wohl fühlen will wie möglich. Es werden Narben zurück bleiben, aber ich weiß, dass ich Narben akzeptieren kann. Und Zerbrechlichkeit. Und Nicht-Perfektion. Abfinden ist nicht das Ding, ich muss etwas tun. Ich brauche nur noch ein bisschen Zeit, um mich mit der Angst anzufreunden und mit dem Scheitern. Ein bisschen Zeit, um innerlich etwas zu bauen, auf dem ich weiterklettern kann. In der Zwischenzeit: Weiterscheitern. Das passiert, ob ich es akzeptiere oder nicht.