Widersprüche! Widersprüche!

Wie kann es sein, fragt mein Innen, dass man immer so viele Dinge tun muss die weh tun?

Ich bin grade vor ein paar Tagen von einer Tagung wieder gekommen und dort ist für mich sauviel passiert. Super viel Input, mega herzliches Willkommensein, einige Menschen getroffen die ich in der kurzen Zeit sehr ins Herz geschlossen habe. Und jetzt bin ich wieder zu Hause und warte, bis der innere Backlash über mich hinweggeschwappt ist.

Wie kann es sein, frage ich, dass ich nichts Gutes erleben kann, ohne dass mein Innen mir vorhält, dass die Welt auch ganz schön Scheiße ist?

Es war so gut zu sehen, dass ich irgendwo sein kann wo viele sind die ähnliche Themen haben wie ich. Dass es einen selbstverständlichen Austausch darüber geben kann, und selbstverständliche Solidarität. Nicht nur! Und nicht ohne Spannungen und Widersprüche, nicht ohne Brüche die auch manchmal getrennt haben und in denen etwas verloren ging. Aber auch. Ach, das war so gut. Es ist schwer in Worte zu fassen wie sehr.

Es war gut in den Workshops zu sitzen und mit anderen Menschen zu denken, zuzuhören und selber mal was zu sagen, es war so gut Bezug nehmen zu können.

Wieder heimgekehrt merke ich wie mir das wieder viel schwerer fällt, z.B. in einer WG in der alle Cis und Hetero zu sein scheinen. Mein Erleben zu teilen geschieht irgendwie bergauf. Bestimmte Situationen sind Teil von Selbstverständlichkeit, und andere eher von Umständlichkeit.

Es war so gut auch zu merken dass 1 auch unter noch nicht so lange bekannten Leuten nicht immer auf alles klar kommen muss, dass nachts nach der Party die einfach ein „zu viel“ war verheult im Bus sitzen für die andere anwesende Person kein Grund zur Abstandnahme war. Sondern dass ich mich kurz anlehnen konnte, dass das Teil von kurz geteilter Normalität sein konnte oder so etwas.

Kurz davor fing mein Innen an zu plappern und erzählt von der Grundschule, in der es so ein Spiel war dass niemand mich berühren darf, weil ich bin „verseucht“. Voll das Ding, wenn ich mal das Mäppchen von jemandem angefasst habe oder so, weil das war dann auch „verseucht“. Ich stand auf der Tanzfläche und war plötzlich wieder ein Alien, besser weg, besser egal.

Ach diese Widersprüche, diese Freude Menschen zu sehen die leben und zu denken dass ich selbst auch leben kann, und der Schmerz darüber dass das heißt, dass eine_m das Egal genommen wird.

Ich weiß dass ich will dass die Wippe auf die eine Seite kippt und nicht auf die andere, und dass das etwas aus macht, auch wenn es mir nicht in jedem Moment meines Lebens grade deutlich sein kann. Ich merke, dass ich ein Stückchen gewachsen bin, auch wenn ich grade ein bisschen dynamisch einknicken muss, damit die Backlashwelle nichts kaputt macht. Ich weiß vielleicht ein bisschen mehr was ich will. Und das ist gut.
Und nicht egal.


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