Transition und die Angst, ein Monster zu sein

Wieder mal ein Text von mir, und ich glaube viel neues enthält er nicht. Eher so Wiederholungen und Verknüpfungen die mich grade so beschäftigen. Ich habe lange überlegt wie ich es hinkriege über die Angst zu schreiben ein Monster zu sein, wie ich den Moment einfangen kann an dem das bricht. Herausbricht oder in mir bricht. Und dann ist mir aufgefallen, dass diese Angst, auf den Punkt gebracht, einfach internalisierte Transfeindlichkeit ist.

Seit ich entschieden habe, körperlich zu transitionieren, ist schon ne Menge besser geworden in meinem Leben. Ohne dass ich viel tun musste. Ich bin friedlicher mit meinem Körper und kann mich eher damit abfinden wie der so ist und sich anfühlt. ich kann mich aber auch besser damit abfinden, wenn ich mich grade mal so gar nicht damit abfinden kann und weiß, dass ich mich nicht verbiegen muss um da einen Frieden zu finden, wie ich es schon so oft versucht habe.

Jetzt habe ich angefangen auch Dinge zu tun und mich mit der Bürokratie und Gesundheitskratie auseinander zu setzen, die 1 angehen muss wenn 1 das machen will. Das ist ganz schön nervig, ich habe überhaupt keinen Bock darauf dass andere Leute mich begutachten und für mich entscheiden, was mit meinem Körper geschehen soll. Egal wie gutmeinend sie dabei angeblich oder tatsächlich sind. Dieses ganze System, Transmenschen zwangszutherapieren und unsere Entscheidungen als Willenserklärung nicht ernst zu nehmen, ist einfach scheiße. Hallo?! My body, my choice! Hier muss noch viel getan werden, damit ein selbstbestimmter Umgang mit dem eigenen Körper möglich wird. Ich hab ehrlich gesagt ziemlich lange nun gebraucht, um zu dem Punkt zu kommen, an dem ich es damit aufnehmen kann. Das muss doch nicht sein.

Aber neben dem Ärger darüber ist auch grade viel Aufgeregtsein und positive Spannung, obwohl ich erst erste kleine Schrittchen gemacht habe. Aber: Yay!

Seit ich überhaupt angefangen habe zu transitionieren, also z.B. auch einen anderen Namen zu tragen und nach andere Pronomen zu fragen, merke ich wie ein Teil von mir voll Angst hat und mir viel von Schmerz erzählt. Schmerz den ich oft spüre, wenn ich z.B. abends in meinem Zimmer ankomme und meine Ruhe habe. Schmerzschmerzschmerz und Angst, dass „alles“ wieder wird „wie früher“, wenn ich meinen Weg so weiter gehe.

Gestern habe ich mich entschieden das zu systematisieren und etwas darüber zu schreiben, und heute hat @projekt1enigma auf Twitter einen Thread von @VanguardVivian in meine Timeline gespült, der sehr gut dazu passt. Darin geht es darum, wie queere Menschen und Transmenschen von heterosexistischen Menschen oft als unberührbare behandelt werden und nicht mehr umarmt, auf die Schulter geklopft oder ähnliches werden. Es geht darum, dass dies Menschen emotional aushungert und geradezu körperliche Schmerzen hervorruft. Es tut irgendwie so gut das zu lesen, weil es meine eigene Wahrnehmung bestätigt. Auch, das das etwas systematisches ist.

Ich glaube mittlerweile, dass das Mobbing, das ich als Kind erfahren habe, nicht nur mit meinem „seltsamen“ Aussehen zusammenhängt, sondern auch einfach damit dass ich trans* bin und versucht habe, neben den akzeptieren Ausdrucksformen meine eigenen zu etablieren. Und wortwörtlich wurde ich unberührbar (Grenzüberschreitungen ausgenommen) und durfte auch die anderen oder deren Sachen nicht mehr berühren, eine Erfahrung die sich sehr eingebrannt hat. Ich habe aus dieser Zeit das Gefühl oder die Angst zurück behalten, ein Monster zu sein.

Jetzt habe ich mich lange sozusagen versteckt. Also nicht wirklich, denn ich war ja die ganze Zeit da. Und Menschen die mich lange kennen waren jetzt teilweise auch gar nicht verblüfft, als ich mich ihnen gegenüber geoutet habe. Aber. Anscheinend ist es für mein Innen ein großer Unterschied, wie offen ich mich nach außen kommuniziere. Und grade, wo ich offener werde auch mit dem trans-sein, erzählt es mir jeden Tag von dem früher und dass es wieder so werden kann.

Als ich noch Therapie gemacht habe, war von Therapeutinnenseite einen häufiger Umgang mit solchen Ängsten und Gefühlen, zu sagen, dass es heute anders ist. Ja, das stimmt auch. Ich bin inzwischen erwachsen, kann mir die Menschen mit denen ich zu tun haben will selber aussuchen und habe Freund_innen, denen ich von frustrierenden oder verletzenden Erlebnissen erzählen kann. Aber trotzdem, so einfach ist das eben nicht. Die Welt ist immer noch dieselbe transfeindliche Welt. Eine Welt in der Menschen sich Leute rauspicken, zu „Anderen“ erklären und dann auf ihnen herumhacken. Und ja, es kann sein, dass manche Menschen wirklich beschissen mit mir umgehen, wenn sie mich nicht mehr als cis-Frau (falsch) lesen (können). Ich habe in den letzten Jahren bemerkenswert wenig Mist abbekommen, die Ereignisse pro Monat ließen sich an einer Hand abzählen und körperlich bedroht habe ich mich dabei auch nicht gefühlt. Aber heißt nicht, dass die damaligen Erfahrungen ungültig sind. Oder dass Scheiße nicht mehr da ist. Wirklich, es wäre total schön das glauben zu können. Aber es wäre leider falsch. Und ich glaube, dass da von Seiten der Therapeutin auch ne ganz schöne Ignoranz gegenüber der Lebensrealität anderer Menschen am Start war. Oder gegenüber eben den Strukturen, wegen denen sie solche Erfahrungen nicht macht, ich (und andere, die wie auch immer aus der Norm fallen) aber schon.

Die meiste Gewalt, bis hin zu Ermordungen, kriegen leider Transfrauen ab. „Leider“ nicht im Sinne von: Ich möchte bitte mehr davon, sondern im Sinne von: Wär ja wirklich schön, wenn das was ich erlebe schon das Ende der Fahnenstange wäre. Das betrifft leider auch Ausgrenzungen innerhalb der (queer-)feministischen Szene.

Das ist doch eine Kackwelt, in der ich mein Innenmonster damit „trösten“ kann, dass ich nicht ganz so schlecht dran bin wie andere.

Auch eine Kackwelt, in der das Bewusstsein über die eigene Monsterigkeit eine Art Schutz sein kann. Space ship armour. Etwas das andere fernhält, so dass sie gar nicht erst nahe genug kommen können um wirklich zu verletzen. Mich selber daran erinnern, was ich angeblich bin, um mich dieser Gefahr nicht auszusetzen. Weltraumkälte und Weltraumleere als Utopie gegen das gefährliche Leben.

Jetzt fehlt mir mal wieder das schicke Ende, und außerdem auch eine Lösung. Außer weiter zu machen und die Strukturen so wie sie sind wahrzumnehmen und etwas dagegen zu tun, wo ich kann. Und alles Gute was da ist möglichst auch wahrzunehmen und zu feiern. Das was gesellschaftlich oft als hässlich und monsterig wahrgenommen wird zu leben und zu feiern und zu schützen und gegen das was gewaltförmig ist zu wüten und das zu betrauern. Leben. Sich trauen da zu sein.

Und hoffentlich zusammen mit vielen anderen. Ich finde es grade oft so toll, mit anderen Menschen da zu sein. Danke an alle, mit denen ich da sein kann und die vielleicht zufälligerweise hier reinlesen!

PS: Ich freue mich über Kommentare/Ergänzungen, auch in Form von Kritik!


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