Archiv für September 2015

Mini-Zine: Label yay!

Bei einem kleinen, aber feinen Zine-Basteltreffen ist gestern dieses Mini-Zine entstanden:

zine1

Ihr könnt das Zine hier als PDF herunterladen.
Es besteht nur aus einem Blatt, durch Knicken und falten könnt ihr daraus ein kleines Büchlein machen.
Eine Youtube-Faltanleitung findet ihr hier.

Das zu basteln, hat ziemlich viel Spaß gemacht. Ich mag Kollagen einfach ziemlich gerne.
Das Thema hat sich eher assoziativ aus den enstehenden Bildern ergeben.

Ich kann euch das Zine auch gerne, vielleicht im Tausch gegen irgendwas anderes feines kleines, zusenden.
Schreibt dazu an bluespunk (ett) posteo (punkt) de.

„Verkopft“

Dass ich verkopft bin, haben schon viele Menschen zu mir gesagt. Ich glaube auch, das das stimmt. Neulich sagte so eine dahergelaufene Cisperson zu mir, dass generell Transleute ihr zu verkopft seien. Grade die mit diesen komplizierten Geschlechtern. Das hat mich ziemlich zum Nachdenken gebracht, weil ich das erstmal so überhaupt nicht fand. Ich fand eher ihre Aussagen schwierig nachzuvollziehen und teilweise auch sehr verletzend. Der Opener für das Gespräch war, dass jemand ihr mal vorgeworfen habe, transfeindlich zu sein. Sich unter dem Deckmantel der Allgemeinverständlichkeit wähnend, wollte sie dann von mir Zustimmung dafür, dass das Quatsch sei. Ging irgendwie nach hinten los.

Jedenfalls, verkopft.

Im Nachhinein dachte ich, dass für sie der Eindruck vielleicht auch dadurch entsteht, dass sie ihren Kopf anstrengen muss, um zu verstehen, was bei den Transmenschen, mit denen sie gesprochen hat, eigentlich abgeht. Ihre eigene Position erscheint ihr natürlich und einfach (nicht im Sinne von „diskriminierungsfrei“ oder „leicht dort zu leben“, sondern im Sinne von „allgemeinverständlich“). Und warum diese komischen Transmenschen verletzt reagieren, wenn irgendwelche dahergelaufenen Fremden ihnen erklären, dass doch alles ganz einfach sei, kann sie nicht begreifen. In unserem Gespräch folgte dann von ihr eine längere ungefragte Erläuterung ihres Begehrens, in der sie mehrfach Menschen direkt oder indirekt ihr Geschlecht absprach und größtes Gewicht darauf legte, was diese in der Unterhose haben. I really didn‘t want to know.

Und ich muss meinen Kopf auch anstrengen, um mich in dieser patriarchalen Cishet-Welt irgendwie durchzufuchsen und zu erklären. Weil ich nicht so einfach auf Worte zurückgreifen kann, um mich oder meine Erfahrungen zu beschreiben. Alles muss erst aus der W_Ortlosigkeit übersetzt werden. Diese Anstrengung merkt man mir vielleicht manchmal an. Es ist zuweilen sehr lähmend. Es ist zuweilen ein Gefühl das an den Versuch erinnert, mit dicken Handschuhen über den Fingern einen komplizierten Knoten zu lösen. Nur fällt es mir immer noch schwer, dies mit der gleichen Nonchalance wie sie meinem gegenüber als Eigenschaft anzudichten. „Mensch diese Cis-Leute, die sind immer so verkopft! Es ist ihnen so arg wichtig, dass ihr Gegenüber das Geschlecht hat, das sie ihm sehen, sonst kommen sie gar nicht mehr klar. Kein Platz für Empathie, ey!“

So. Vielleicht habe ich auch einfach nur (ein Stück von) Cis-Privilegiertheit begriffen. Tut irgendwie gut.

Und die andere Person kann ja begehren wen sie will, nur wäre es nice, wenn sie sich dann Gedanken darüber macht, wie sie das ausdrücken kann, ohne anderen Menschen ihre Identität abzusprechen. Ist leider nicht angekommen diese Anregung, fürchte ich. Fühlt sich vielleicht auch bedrohlich an, im Sinne von: Altbekanntes, Schutz gebendes, hart erkämpftes hinterfragen müssen. I know.

Ganz emotional fand ich es total toll, an dem Abend mit meiner Wut und einem winzigen bisschen Verzweiflung nicht alleine zu sein, sondern sehr solidarische Menschen um mich herum zu haben. <3