Happy.

Wenn ich grade einen Blogpost schreiben würde, dann wäre es einer darüber, wie glücklich ich mit der Mastek bin, die grade hinter mir liegt. Ich tüdele so durch den Tag, der Körper noch von der OP geschwächt. Alles ist etwas umständlicher als sonst, ich brauche Hilfe bei einigen Alltagsdingen (inzwischen viel weniger als noch direkt nach der OP), bin ständig müde und eigentlich bin ich sehr ungeduldig mit sowas. Zwischendurch bin ich auch jetzt mal ungeduldig. Aber ich bin glücklich.

Ich komme mir ein bisschen vor wie so ’ne Vorzeige-trans-Person, weil ich fast direkt glücklich war, als ich aus dem OP gerollt wurde. Zunächst war ich noch sehr mit existieren beschäftigt. Aber ziemlich bald nahm ich meinen veränderten Körper wahr und hatte das absurde Gefühl, dass er jetzt so war, wie er eigentlich immer schon (unter den anderen Formen) gewesen ist. Gleichzeitig: Frisch vernähte Wunden, Bewegungen schwierig, alles sprach dafür, dass es eben nicht immer schon so gewesen war. Zwei Realitäten, die mein Kopf übereinanderlegte wie Bildebenenen bei GIMP und die sich gegenseitig kaum störten. Unerwartet, weil ein_ Freund_ mich darauf vorbereitet hatte, dass ich auch erst mal traurig sein könnte, etwas verloren zu haben, mit dem ich zwar nicht klar kam, aber das trotzdem zu mir gehört hat.

Sogar der Krankenhausaufenthalt hat mich glücklich gemacht, die Pflegerinnen waren alle so nett und überhaupt. Es ist krass, wie wenig Angst ich als Mensch, der schon zu Angst neigt, vor der Op hatte. Das lag auch daran, dass alle so freundlich und lustig mit mir und auch miteinander umgingen. Viel Liebe für diese Station in einem katholischen Krankenhaus, wo es (neben allgegenwärtigen Kreuzen, Bibeln und Heiligenbildchen) total okay war, trans zu sein.

Krass war das T-Shirt-lose Herumliegen nach dem Duschen. Wie viel Sexualisierung und Scham mit großen Brüsten verbunden ist und wie schnell das verfliegt, wenn die weg sind. Und auch nicht mehr von einem erwartet wird. Damit werde ich noch einen Umgang finden müssen, zum Beispiel im Schwimmbad oder am See. Ich glaube nicht, dass ich mich meiner Narben schämen werde, aber vielleicht wird mir ungemütlich sein beim Gedanken daran, dass ich ein Privileg lebe. Und vielleicht wirkt auch noch nach, wie viel Zeit ich damit verbracht habe, meinen Körper zu verbergen, seit mir zum ersten mal als Kind / Teen ein Erwachsener hektisch ein T-Shirt brachte.

Viel Liebe auch für meine Freund_innen, Mitbewohnis und Bekannten, die für mich einkauften, mich ins Krankenhaus gebracht haben, mich dort besuchten, mir ihre Glückskatze daließen, sehr fest an mich dachten, mich nach der OP abholten, im Zug meine Tasche schleppten, mir zu Hause Essen kochten, mir Monsterbegleitung schickten, DVDs brachten, die Spülmaschine ausräumten und meine Wäsche wuschen, als ich dazu noch nicht wieder in der Lage war. Mir Gesellschaft leisteten und sich mit mir freuten. Für solidarische Menschen aus dem Internet, die mir Pflaster und Fettgaze für die Wundversorgung spendierten.

Ich freue mich zum ersten mal richtig ungebremst auf den Frühling. Keine gemischten Gefühle mehr beim Gedanken daran, nicht mehr so viele Schichten Kleidung übereinander anziehen zu können wie im Winter. Keine wehmütige Vermissung meiner Lederjacke. Bin gespant darauf, wie es ist, in der Welt unterwegs zu sein mit einem Körper, der sich für mich erstmal so okay anfühlt. Noch bin ich nicht so viel unterwegs. Aber das ist auch okay so.

Mir ist so viel gutes passiert in den letzten Wochen. Und ich wundere mich, wie viel schwieriger es ist, diesen freudigen Blogpost zu schreiben als die wütenden oder traurig-bedrückten davor.


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