Trans* Day Of Visibility

Heute ist Trans* Day Of Visibility. Shout Out an alle sichtbaren und unsichtbaren trans* Menschen in meinem Leben und in diesem Internet!

Mit dem eigenen Er_leben sichtbar sein ist oft nicht leicht, sogar wenn man größtenteils geoutet ist. Trotzdem leben wir in einer cissexistischen Gesellschaft, in der die Lebensrealtiäten von trans* Menschen nur am Rande vorkommen. In der die nichtbinärer Geschlechter meistens gar nicht vorkommen. Es ist dadurch manchmal schwierig, anzuknüpfen und sogar über alltägliches zu reden. Teile meines Alltags gehören nicht zum geteilten Alltag. Früher empfand ich es wie eine Glasscheibe, die zwischen mir und anderen Menschen ist. Inzwischen ist es oft nur noch eine Membran, die an vielen Stellen durchlässig geworden ist. Gestern erst redete ich mit einer lieben Freundin darüber, dass es mich manchmal schmerzt, dass diese Membran da ist. Und dass es sich manchmal anfühlt wie eine Grenzüberschreitung, diese Membran zu durchbrechen.

Manchmal fühlt es sich nicht verbindent an, über trans* sein zu reden. Manchmal knalle ich meinem Gegenüber ein Stück meines Er_lebens auf den Tisch, weil ich so wütend und frustriert darüber bin, nicht vorzukommen und nicht gesehen zu werden. Nicht die kleinen Unterstützungen bei den Herausforderungen meines Lebens zu erhalten, die andere erhalten und die ich auch gerne gebe. Letzten Sommer zum Beispiel darüber, dass es ein normales Thema ist, Stress durch eine abzugebende Hausarbeit oder einen Uni-Abschluss zu haben, aber nicht, zu einem fremden Experten fahren zu müssen, um das eigene Geschlecht bestätigt zu bekommen. Immer wieder zu einem Psychologen zu fahren, weil mir nicht zugetraut wird, selbst über meinen Körper zu entscheiden. Manchmal blicke ich danach in blanke Gesichter, denen nicht anzusehen ist, ob etwas von dem, was ich sagte, die Membran durchdrungen hat. Es ist ungemütlich, selbst manchmal mit Menschen, die ich mag und die mir vertraut sind.

Ich möchte nicht grenzüberschreitend agieren, ich möchte gerne Verbindungen schaffen und in einem Dialog sein, der durchlässig ist. Und andererseits ist meine reine Existenz eine Grenzüberschreitung, eine Zumutung in einer cissexistischen binären Gesellschaft, in der alle cis Mann oder cis Frau zu sein haben. Ein Dilemma, aus dem ich so schnell nicht herauskommen werde, vor allem weil mein Umfeld größtenteils aus cis Menschen besteht. Aber: Challenge Accepted!

Dank an alle, die sich mit mir darauf einlassen.
Und Dank an alle, die Comics zeichnen, Geschichten und Blogtexte schreiben, Zeitschriften herausgeben, politische Arbeit und Musik machen in denen nichtbinäre trans* Menschen sichtbar sind.

Happy Trans* Day Of Visibility, everyone!


0 Antworten auf „Trans* Day Of Visibility“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht − sieben =