Archiv der Kategorie 'Allgemein'

wechsel, wandel, weltraum

ich ziehe um. wechsle die stadt. es ist absehbar, die tage zählen sich schon.
kisten stehen herum, ich packe sie aus, nur um sie bald wieder einzupacken.
was nehme ich mit, was lasse ich da?
geliebte, aber lange ungetragene pullis flattern in verschenkekisten.

wie will ich leben, wenn ich nicht mehr so lebe, wie ich die letzten acht jahre gelebt habe?
wenn ich nicht mehr da lebe, wo ich die letzten überfünfzehn jahre gelebt habe?
versuche ich, mir mein hiesiges leben in der neuen stadt neu aufzubauen?
was will ich anders?
wie anders kann ich?

es ist noch unwägbar, was ich aus dem fenster sehen werde oder wenn ich aus der haustür trete.

grade ist mein neuer ausblick ein vexierbild.
tagsüber bewaldete hügel und verwittertes holz. alpenpanorama fast.
nachts eine autobahntrasse, von hinten blau beleuchtet vom licht einer tankstelle. sci-fi kulisse.
vorbeifahrende autos, die auch flugkörper sein könnten.
vor einer woche schaute ich auf ein dorf und hörte hähne krähen.
der bus in die stadt fuhr sonntags bis mittags.
jetzt bin ich viel näher am bahnhof. auf dem sprung.

inwiefern kann und will ich mich neu erfinden?

ich werd’s rausfinden. erstmal bin ich müde.
und schlafe ein, an der wand eine skyline aus noch unausgepackten kisten.

ich kam nicht alleine hier an. mit mir war jemand, mit diem ich alles teilen durfte.
chaos, kistenpacken und weltraumeinsamkeitsgefühle. ja, sogar die.
wir bewegten uns in raum und zeit, zwischen auseinandernehmen und zusammensetzen.
wir machten ein zuhause aus der bewegung und eine reise aus dem ankommen.

jetzt sind wir weit entfernt und tippen sätze durch die luft.
bald sehen wir uns wieder, die tage zählen sich schon.

orte, die ich zurücklasse, werden vielleicht bald nicht mehr da sein.
ich werde nicht da sein, um ihr verschwinden zu bezeugen.
ich werde weit entfernt sein, die augen voll mit neuem.

gerne leben ist auch so was neues.

jedes jahr wieder hadere ich mit diesem komischen geburtstag. eigentlich nur so ein tag wie jeder andere(tm), verunsichert mich sein herannahen jedes mal aufs neue. ich habe schon viel ausprobiert: ignorieren, mit mehreren menschen feiern, mit nur einer person feiern, alleine in meinem zimmer sitzen, irgendwo hin fahren. es war vorher nie zu erraten, welche situationen gut gehen und welche sich schrecklich anfühlen. die besten davon haben mich manchmal wütend, traurig oder verzweifelt vorgefunden. ratlos wie ich mit dieser dissonanz umgehen kann ohne andere menschen oder mich zu verletzen. und oft auch unzufrieden mit mir, weil ich auf diesen tag nicht so reagieren kann, wie ich es gerne hätte.

ich dachte immer, es hat viel mit erwartungen zu tun, die an diesen tag gehängt werden. das sicher auch. erst neulich fiel mir auf, dass es ja noch gar nicht so lange her ist, dass ich gerne existiere. und dass das an einem tag, an dem meine existenz gefeiert wird, eine gewisse dissonanz erklären könnte. man™ lebt ja schließlich gern. angesichts der tatsache, dass das für mich lange einfach nicht gestimmt hat, ist es nicht verwunderlich, dass dieser feiertag nicht immer einer war. sondern oft eher eine von diesen pralinen mit ziemlich ekliger füllung.

grade geht es mir ziemlich gut. ich denke trotzdem viel über den tod nach. den, den ich mir gewünscht habe. oder nicht gewünscht, eher als besseres übel gedacht. über die vielen tode im kleinen. über das einmal wieder drauf ankommen lassen: egal ob und wie ich feier, es wird halt so ein tag, an dem ziemlich viel kondensiert ohne dass ich das unbedingt möchte. und trotzdem auch ein tag wie jeder andere, ein abenteuerlicher mix aus mehr oder weniger intensiven momenten ohne tieferen sinn, der irgendwann vorbei ist.

for myself i live with pride.
ich existiere gerne, jetzt. yay. und immer noch.

zeitschnipsel

mein herz ist wild und zögerlich
ich fühl mich wie eine potenziell undichte tasche voll mit eingeweiden
tired & full of love

mein herz läuft mir aus den augen vor glück oder trauer
ich weiß es nicht, rase in zeitlupe durch momente und eindrücke
ugly & full of pride

boden wiederfinden auf der alten umgekippten weide über‘m wasserfall
all die frequenzen der nahen und fernen verwirbelungen existieren lassen
mit breq sitzen und schweigen

Mirselbstgehörungsromantik

Oft ist es in meinem Leben so, dass ich Tage, geplante Ereignisse, Aufgaben aneinanderreihen wie Perlen an einer Kette. Vieles davon ist schön und selbstgewählt. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass darin kein Platz bleibt für Wahl oder Gefühle. Schon alleine die Lohnarbeit nimmt so viele Stunden ein. Sport. Band. Freund*innen treffen. Politgruppe. Veranstaltungen besuchen. WG-Orgadinge. Und was sonst noch so anfällt. Wie gesagt, viel davon ist eigene Entscheidung, aber das meiste ist geplant.

In all dem bewege ich mich nun ohne zu rauchen. Eine Frage die mir noch übriggeblieben ist aus der Zeit MIT Rauchen ist die Frage nach dem widerständigen Potenzial von Selbstzerstörungsromantik. Ich habe es immer noch nicht aufgespürt, obwohl ich immer wieder mal in mich reingefragt habe.
Gleichzeitig und stattdessen habe ich etwas entdeckt, von dem ich alternativ wollte, dass es mir wichtig wird: Mirselbstgehörungsromantik. Als Start habe ich angefangen, bestimmte Nichtrauchtage zu feiern. Nämlich die, die Primzahlen haben. Weil Primzahlen sind durch keine andere Zahl teilbar. Das heißt, in meiner assoziativen Symbolik: Sie gehören sich selbst.

Ich hab versucht das „feiern“ immer mit etwas zu verbin den, für das ich mich situativ entscheide, um unmittelbar das Gefühl zu haben, eine Wahl zu treffen. Das hat mir auch ziemlich gut getan.

Aber ich habe dadurch auch nochmal gemerkt, wie schwierig es ist, dieses Gefühl im Alltag mit Lohnarbeit und ziemlich viel Planung am Leben zu halten. Das fand ich ziemlich entsetzlich.

Don‘t get me wrong. Ich mag meine Arbeit in dem Sinne, dass ich sinnvoll finde was ich tue und den groben Rahmen mag in dem das passiert. Trotzdem ist das, was ich dort tue nichts was ich spontan gerne tue. Früher mal bin ich jeden Tag morgens mit dem Fahrrad einen Berg hochgefahren. Im Zustand des noch aufwachens kam es mir oft so vor, als wäre ich in eine Maschine eingespannt. Meine Muskeln, Knochen und Bänder existierten nicht für sich. Sie wurden zum erweiterten Teil dieser Maschine. Das Gefühl ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Es lässt sich sehr gut auf das übertragen, was von allem ich an Lohnarbeit am belastendsten finde.

Gefühlt gehört so viel mehr Zeit der Arbeit als dem, was ich wirklich gerne mache. Ich weiß jedoch nicht, was passieren würde, wenn eines der Dinge die ich außer der Arbeit gerne mache (schreiben oder zeichnen zum Beuispiel) meine Arbeit werden würde. Vielleicht würde ich dann zu dieser Tätigkeit ein ähnliches Verhältnis entwickeln. Hoffentlich werde ich irgendwann nochmal Gelegenheit haben, das rauszufinden.

Statt nur an jedem Primzahltag versuche ich nun, jeden Tag kleine Entscheidungen einzubauen, die mir unmittelbar das Gefühl geben, dass das hier mein Leben ist. Manchmal kommt es mir aber eher vor wie ein Spiel, im Sinne von so-tun-als-ob. Dann frage ich mich, ob sich meine hübsche kleine Idee gegen mich gewendet hat. Ich wollte Mirselbstgehörungsromantik, stattdessen bekam ich ein bisschen Wut auf kapitalistischen Verwertungszwang und ein Bewußtsein für das, was jeden Tag schon entschieden iat.

Ich gebe aber nicht auf.

Mini-Zine: Label yay!

Bei einem kleinen, aber feinen Zine-Basteltreffen ist gestern dieses Mini-Zine entstanden:

zine1

Ihr könnt das Zine hier als PDF herunterladen.
Es besteht nur aus einem Blatt, durch Knicken und falten könnt ihr daraus ein kleines Büchlein machen.
Eine Youtube-Faltanleitung findet ihr hier.

Das zu basteln, hat ziemlich viel Spaß gemacht. Ich mag Kollagen einfach ziemlich gerne.
Das Thema hat sich eher assoziativ aus den enstehenden Bildern ergeben.

Ich kann euch das Zine auch gerne, vielleicht im Tausch gegen irgendwas anderes feines kleines, zusenden.
Schreibt dazu an bluespunk (ett) posteo (punkt) de.