Archiv der Kategorie 'trans body positivity'

m_eine stimme finden

meine stimme hat sich verändert, und das ist schön. sie fühlt sich mehr wie meine stimme an. wenn ich mich selber reden höre, ist das angenehm.
aber was ungewohnt ist: lieder, die ich früher gut singen konnte, gehen jetzt gar nicht mehr. so hoch komme ich nicht.
und eine oktave tiefer komme ich auch (noch) nicht.
grad so wohlfühl-lieder, bei denen meine stimme wie wasser durch die töne floss. bye bye!
dafür kann ich nun andere lieder singen. nur sie sind noch ungewohnt.

meine stimme weiß schon im prinzip, was sie zu tun hat.
aber durch alte gewohnheiten mache ich es mir manchmal schwer.

manchmal fühle ich mich ähnlich, wenn ich mich anderen menschen gegenüber artikulieren will.
mein in-der-welt-sein hat sich verändert. viel neues will ausprobiert werden, und vieles will neu ausprobiert werden.
durch die stadt schlendern. meinen platz in einer situation finden.
aber was fühlt sich gut und passend an? ich weiß es nicht, bis ich’s mache. und für manches habe ich noch keine worte.

Happy.

Wenn ich grade einen Blogpost schreiben würde, dann wäre es einer darüber, wie glücklich ich mit der Mastek bin, die grade hinter mir liegt. Ich tüdele so durch den Tag, der Körper noch von der OP geschwächt. Alles ist etwas umständlicher als sonst, ich brauche Hilfe bei einigen Alltagsdingen (inzwischen viel weniger als noch direkt nach der OP), bin ständig müde und eigentlich bin ich sehr ungeduldig mit sowas. Zwischendurch bin ich auch jetzt mal ungeduldig. Aber ich bin glücklich.

Ich komme mir ein bisschen vor wie so ’ne Vorzeige-trans-Person, weil ich fast direkt glücklich war, als ich aus dem OP gerollt wurde. Zunächst war ich noch sehr mit existieren beschäftigt. Aber ziemlich bald nahm ich meinen veränderten Körper wahr und hatte das absurde Gefühl, dass er jetzt so war, wie er eigentlich immer schon (unter den anderen Formen) gewesen ist. Gleichzeitig: Frisch vernähte Wunden, Bewegungen schwierig, alles sprach dafür, dass es eben nicht immer schon so gewesen war. Zwei Realitäten, die mein Kopf übereinanderlegte wie Bildebenenen bei GIMP und die sich gegenseitig kaum störten. Unerwartet, weil ein_ Freund_ mich darauf vorbereitet hatte, dass ich auch erst mal traurig sein könnte, etwas verloren zu haben, mit dem ich zwar nicht klar kam, aber das trotzdem zu mir gehört hat.

Sogar der Krankenhausaufenthalt hat mich glücklich gemacht, die Pflegerinnen waren alle so nett und überhaupt. Es ist krass, wie wenig Angst ich als Mensch, der schon zu Angst neigt, vor der Op hatte. Das lag auch daran, dass alle so freundlich und lustig mit mir und auch miteinander umgingen. Viel Liebe für diese Station in einem katholischen Krankenhaus, wo es (neben allgegenwärtigen Kreuzen, Bibeln und Heiligenbildchen) total okay war, trans zu sein.

Krass war das T-Shirt-lose Herumliegen nach dem Duschen. Wie viel Sexualisierung und Scham mit großen Brüsten verbunden ist und wie schnell das verfliegt, wenn die weg sind. Und auch nicht mehr von einem erwartet wird. Damit werde ich noch einen Umgang finden müssen, zum Beispiel im Schwimmbad oder am See. Ich glaube nicht, dass ich mich meiner Narben schämen werde, aber vielleicht wird mir ungemütlich sein beim Gedanken daran, dass ich ein Privileg lebe. Und vielleicht wirkt auch noch nach, wie viel Zeit ich damit verbracht habe, meinen Körper zu verbergen, seit mir zum ersten mal als Kind / Teen ein Erwachsener hektisch ein T-Shirt brachte.

Viel Liebe auch für meine Freund_innen, Mitbewohnis und Bekannten, die für mich einkauften, mich ins Krankenhaus gebracht haben, mich dort besuchten, mir ihre Glückskatze daließen, sehr fest an mich dachten, mich nach der OP abholten, im Zug meine Tasche schleppten, mir zu Hause Essen kochten, mir Monsterbegleitung schickten, DVDs brachten, die Spülmaschine ausräumten und meine Wäsche wuschen, als ich dazu noch nicht wieder in der Lage war. Mir Gesellschaft leisteten und sich mit mir freuten. Für solidarische Menschen aus dem Internet, die mir Pflaster und Fettgaze für die Wundversorgung spendierten.

Ich freue mich zum ersten mal richtig ungebremst auf den Frühling. Keine gemischten Gefühle mehr beim Gedanken daran, nicht mehr so viele Schichten Kleidung übereinander anziehen zu können wie im Winter. Keine wehmütige Vermissung meiner Lederjacke. Bin gespant darauf, wie es ist, in der Welt unterwegs zu sein mit einem Körper, der sich für mich erstmal so okay anfühlt. Noch bin ich nicht so viel unterwegs. Aber das ist auch okay so.

Mir ist so viel gutes passiert in den letzten Wochen. Und ich wundere mich, wie viel schwieriger es ist, diesen freudigen Blogpost zu schreiben als die wütenden oder traurig-bedrückten davor.

my body is not the enemy

es hat sich was verändert, fast ohne dass ich es merkte. mein körper ist nicht mehr so sehr mein feind.
auch wenn er nicht funktioniert. auch wenn etwas weh tut. auch in momenten, in denen ich fast nicht aus dem haus gehen mag, weil ich nicht mit brüsten herumlaufen will. auch nicht beim sport, wenn ich mal wieder mein bein nach rechts schwenke und alle anderen ihrs nach links.

ich fühle mich plötzlich irgendwie angekommen, obwohl ich mit der körperlichen transition grade erst begonnen habe und die erwünschten änderungen noch nicht mal ansatzweise eingetreten sind. es bewegt sich mein leben und solange ist mein körper halt sperrig und hat wölbungen an den falschen stellen keinen bart und meine stimme verrät mich, wannimmer ich den mund aufmache. es kann niemand etwas dafür, am wenigsten mein körper selbst, der einfach tut, was körper eben so tun. existieren.

angekommen und neugierig warte ich auf veränderungen, die mir fast so natürlich vorkommen, wie dass es grade frühling wird: bartwuchs, stimmbruch, diesdas. es geht vielleicht langsam, aber ich hab zeit. die grünen blätter an den bäumen wachsen auch nicht über nacht.

und feiere diesen bemerkenswert wenigen hass, wenn ich in den spiegel gucke und mal wieder denke, dass da was falsch ist.
und mache ein bisschen frieden mit den sperrigkeiten, die bleiben oder vielleicht noch dazu kommen werden.

mini-zine „biologisches geschlecht“

ein neues zine!

die kleinen krabbeltiere im wald sind ganz aufgeregt. man munkelt von „biologischem geschlecht“.
aber was ist das, und wozu braucht man das?
es wird ihnen nicht so ganz klar.

ihr könnt das zine hier als *.pdf herunterladen.
es besteht nur aus einem blatt, durch knicken und falten könnt ihr daraus ein kleines büchlein machen.

eine youtube-faltanleitung findet ihr hier.